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Unter "Minicomputer" würden sich die Kids heute einen Computer im Handy- oder Armbanduhrformat vorstellen. In den 60er und frühen 70er Jahre war das anders. Ein Computer war prinzipiell riesig (siehe UNIVAC), so dass ein 300kg-Computer eben "mini" war. Frühe Computer sind wegen ihrer stattlichen Größe und der sehr schönen transparenten Zusatzgeräten vor allem in ihrer Funktion sehenswert.
Es gibt eine sehr wichtige Computerfamilie, die letztendlich zu unseren heutigen (Home-)Computern geführt hat: Die Entwicklung der "Mini-"Computer der Firma Digital Equipment Corporation (kurz DEC) der Serie PDP 8. Wir verfügen über die komplette Serie dieser Geräte: Von der PDP 8 (auch Classic-8 genannt) aus dem Jahr 1965 bis zur PDP 8a (1975). Letztere ist museal weniger interessant und steht daher im Archiv.
Für besonders Interessierte gibt es eine Geschichte von Digital (DEC).

PDP 8 Classic

Eines der musealen Highlights ist eine PDP 8 Komplettanlage, bestehend aus Prozessor, Bandlaufwerk TU 580 (gehörte ursprünglich zur PDP 5, Bj. 1963), Lochstreifenleser/stanzer PC 01, Festplatte DF 32 mit unbeweglichen Köpfen und dem Teletype Fernschreiber als Drucker. Diese Classic-8 gilt als der erste in Serie gebauter "Minicomputer" der Welt. Ohne ICs bzw. deren Vorläufer zählt die Anlage zur 2. Computergeneration.
Der Prozessor und der Lochstreifenleser sind Leihgaben des "FITG", Frankfurt

DEC PDP 8I

PDP 8I

Der erste Rechner mit integrierten Schaltungen von DEC war nicht gerade billig. Alleine die CPU (im Bild links, Mitte) ohne Peripherie kostete damals 27000 $. Bei dem Umrechnungskurs der 60iger Jahre entspricht das ca. 55000 Euro.
Der Arbeitsspeicher hatte eine Kapazität von 8 kB. Während der Bearbeitung eines "größeren" Problems müssen eventuell fortwährend Files (Programme, Daten) auf ein Tape (Magnetband) ausgelagert und später wieder eingelesen werden. Um mit sowenig Arbeitsspeicher dennoch erstaunlich effektiv arbeiten zu können, wurde schon in diesen frühen Jahren ein ausgesprochen intelligentes Betriebssystem (OS/8) entwickelt! Es ist sehr interessant, dem Rechner bei seiner Arbeit zuzuschauen.

Für alle, die einen solchen Computer noch nie gesehen haben, sei angemerkt, dass dieser mit Plotter über 2m hoch ist und ein Gewicht von ca. 300 kg hat.

Die Peripherie besteht aus 2 x TU 55 (Bandlaufwerke), PC 04 (High speed Lochstreifenleser), Calcomp 563 Plotter (oben) und natürlich einer Teletype (hier nicht abgebildet).

 
DEC LAB 8e

Lab 8e, PDP 8e

Nachfolger der PDP8i war 1970 der PDP8e. Dieser Rechner hatte bereits ein internes Bussystem. Daher war es problemlos möglich, jegliche Peripherie über Interface-Karten anzuschließen. Das machte den "Klein"rechner quasi universell einsetzbar. Dieser Rechnertyp wurde mit diversen AD- und DA-Wandler unter der Bezeichnung LAB8e als Laborrechner mit vielseitigen Anschlussmöglichkeiten für analoge Geräte angeboten (hier abgebildet). Die Peripherie besteht aus:

  • VR 12 (Oszilloskopbildschrim)
  • PC 04 (High speed Lochstreifenleser/stanzer)
  • 3 x TU 56 (Doppel-Bandlaufwerk)
  • AD- und DA- Wandler
 

Weiterhin ist das erste System angeschlossen, was schon so ähnlich wie heutige Computer aussieht: WANG 2200, Bj. 1973. Vermutlich einmalig in Deutschland ist dieser Computer mit so vielen peripheren Geräten. So z.B. Lochstreifenleser, Stapelkartenleser, 8-Zoll dreifach Diskettenlaufwerk, Plattensystem mit 38cm großen Scheiben (alleine 100kg schwer und 24.000,-DM teuer speichert es gerade 5 MB), spezial BASIC-Tastatur usw.

WANG erkannte schon sehr früh, dass die Zukunft der Computer nur mit Bildschirm denkbar ist. Bis 1975 baute dagegen der Konkurrent HP seine Rechner nur mit einer einzeiligen LED-Anzeige.

Wang 2200

Auch der erste Personalcomputer wurde von WANG gebaut: PCS II (1975). Der erste für den Durchschnittsbürger bezahlbare PC kam 1977 auf den Markt: PET 2001 von Commodore. Er war so billig wie ein heutiger PC, speicherte aber ganze 8 KB und hatte bescheidene Anwendungsvarianten. Weitere Homecomputer folgten, der Markt uferte aus, und damit endet die Sammlung der Computer.
Siehe tabellarische Darstellung wissenschaftliche- und Mini- Computer aus dem Museumsbestand