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Transparente Versionsverwaltung, ein Plädoyer

Die Technikum29-Website verwendet seit fast 10 Jahren (2008-2017) erfolgreich die zentrale Versionsverwaltung Subversion. Diese Software hat sich damals als Favorit zwischen anderen Techniken wie einem CMS oder einer Wiki durchgesetzt (siehe drei Jahre Versionszählung, 2008) und beerbt den 2005-2008 betriebenen, öffentlich einsehbaren Changelog. Damit lässt sich die Webseitengeschichte seit 12 Jahren punktuell nachverfolgen. Doch warum all der Aufwand, noch dazu öffentlich für jeden einsehbar? Dieser Frage soll dieses Dokument begegnen.

Versionszählung

Das Zählen von Versionen hat in der Softwareentwicklung eine lange Tradition. Das verbreitete Versionverwaltungstool der Mitte 200er, Subversion, zählte an zentraler Stelle die hochgeladenen Änderungen einfach hoch (mittlerweile sind wir bei technikum29.de schon bei über 1000 auf diese Weise gezählte Änderungen). Während viele Kollaborationswerkzeuge der Open-Source-Welt entspringen, ist die Verwendung dieser Techniken doch a priori nicht mit einer Veröffentlichung des Repositories verbunden. So pflegen viele Institutionen private Subversion-Repositories zur Closed-Source-Entwicklung.

Open-Source-Veröffentlichungskultur bei Webseiten

Tatsächlich war technikum29.de 2005 Vorreiter mit der Öffentlichstellung des kompletten Quellcodes der Website. Damals war noch nicht abzusehen, dass mit dem Aufkommen der Versionszählungskultur in Form von verteilten Versionsvewaltungstools, allen vorran das von Linus Torvalds entwickelte git ein unheimlicher Boom vorrangeht bis hin dazu, dass es völlig selbstverständlich wird, Dateien in derartigen Repositories zu organisiseren, vor allem kostenlos. Anfang der 2000er waren kostenlose Webhostingangebote typischerweise durch Einblendung von Werbung finanziert und boten wenige 10-100 MB Speicherplatz. Mit dem Aufkommen von kostenlosen Cloudanbietern und vor allem Github sollte sich das massiv ändern: Heute hosten diese Dienste ohne Werbeeinblendung und kostenfrei jedem Benutzer viele Gigabyte an statischen, allerdings in Form ein Git-Repositories organisierten Daten. Besonders in den letzten Jahren ist dabei eine Renaissance der statischen Webseite zu beobachten die direkt von Github aus ausgeliefert wird. Dabei ist der Quelltext und die Historie dieser Seite für jedermann einsehbar.

Die Cloud vergisst nie

Die Omnipräsenz von Versionsspeicherungen sind zweifelsfrei dem günstigen Speicherplatz und den großen Softwarearchitekturen geschuldet, auf denen die "Cloud-Welt" von heute aufbaut. Ein Filehoster wie Dropbox (derzeit 5GB Gratisspeicherplatz pro Benutzeraccount) speichert automatisch jede Version einer veränderten Datei. Open-Source-Clones von Dropbox die diese Technik ebenfalls verwenden (zB. Sparkleshare) nutzen dazu Git. Tatsächlich sind aber damit nicht nur private Dateien vor dem Vergessen geschützt. Man kann viel mehr davon ausgehen, dass jede im World Wide Web veröffentlichte Datei, ob Webseite, Bild oder PDF, irgendwo gespiegelt wird. Prominente Beispiele von Seiten, die diese Spiegelungen ihrerseits wieder hosten, sind der Google-Cache der profitorganisierten Suchmaschine Google oder die Wayback-Machine des gemeinnützigen, spendenfinanzierten Internet Archive. Diese Dienste sind nicht kontrollierbar, denn es gibt beliebig viele davon. Etwa Dokumentenserver, die PDFs, die sie im Internet finden, auf ihrer Seite anbieten. Niemand fragt da nach Urheberrecht.

Weil die Welt nicht vergisst, sollte man selber auch nicht vergessen. Wer im Internet publiziert, tut gut daran, seine Veröffentlichungen und Veränderungen penibel genau zu dokumentieren und zu archivieren. Auf diese Weise ist der Veröffentlichende nicht auf das Gutdünken von Spiegeln angewiesen und kann potentielle Modifikationen, Wahrheitsverdrehungen, Urheberrechtsverletzungen oder Verwendung von Material gegen Ihn entgegenwirken. In Zeiten von 1TB-Festplatten ist es töricht, Dateien wegzuschmeißen.

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